Historische Prozession zur Keffelke-Kapelle, 1657 erstmals überliefert

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Brilon-Totallokal: Unterwegs wird an mehreren Stationen Fürbitte gehalten

brilon-totallokal: Die Freunde „Freunde der Keffelke-Kapelle“ und die Propsteigemeinde Brilon laden die Bevölkerung der Stadt und der umliegenden Dörfern am Sonntag, dem 16. Juli, zur historischen Prozession zur Keffelke-Kapelle ein. Sie beginnt um 9.15 Uhr an der Propsteikirche und führt über die Bahnhofstraße und die Keffelker Straße über 4,5 Kilometer zur Kapelle.

Unterwegs wird an mehreren Stationen Fürbitte gehalten. In der Keffelke-Kapelle beginnt dann um 11.00 Uhr die Festmesse, anschließend wird rund um die Kapelle das alljährliche Sommerfest gefeiert.  

In den Geschichtsbüchern ist die besonders feierliche Prozession von Brilon zur Keffelke-Kapelle im Jahre 1657 erstmals überliefert. Der Bürgermeister und die gesamten Ratsherren nahmen ebenso selbstverständlich daran teil wie die Schützengesellschaft . Den Schützen wurde regelmäßig auf Kosten der Stadt Schießpulver zugeteilt, damit sie an den einzelnen Stationen kräftig „canonieren“ konnten.

Die auf einem Gelübde beruhende Prozession zur Antoniuskapelle am Sonntag Rogate, dem fünften Sonntag nach Ostern, wurde um 1835, auf Veranlassung des damaligen Pfarrers Caspar Föhrer, wegen der weiten Entfernung verkürzt und fortan nur noch bis zur „Dicken Linde“ gezogen.

Dieser Prachtbaum, ein Wahrzeichen der dortigen Gemarkung, wies ein Alter von mehreren hundert Jahren auf; er wird schon früh in Urkunden als „Tilia crassa“ erwähnt. Kurz über dem Erdboden hatte der Stamm einen Umfang von 5,44 Metern. Vermutlich war zu seinen Füßen ein Bildstock errichtet. Der Baum erlitt erstmalig 1881 bei einem Gewittersturm einen starken Schaden, als ein Hauptast abbrach. In den folgenden Jahren traten weitere Schäden auf, unter anderem durch Stürme und durch mutwillig gelegtes Feuer im Inneren des hohlen Stammes. In der Nacht vom 22. auf den 23. Mai 1886 brach der Baum bei einem heftigen Gewittersturm auseinander. Zurück blieb ein Rest des Stammes, der dann wenig später beseitigt wurde. 1887 wurden als Ersatz fünf neue Linden gepflanzt, von denen vier heute noch vorhanden sind. Der neugotische Bildstock unter den Linden ist vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden.

Der verstorbene Stadthistoriker Gerhard Brökel hat diese Informationen aus den Archiven ans Licht gebracht und in seinem Buch „Vergangene Zeiten – Geschichte aus Brilon“ Band 3 niedergeschrieben. Heute hat sich für diese markante, historische Stelle, an der früher die Grenze zwischen Brilon und der Ortschaft  Keffelke verlief, der Name „Vier Linden“ eingebürgert.

Später wurde aus dieser Prozession die bis zum Jahre 1967 durchgeführte sogenannte Feldprozession, an welche sich die alten Briloner noch lebhaft erinnern. Die Feldprozession ging von der Propsteikirche zur Hubertuskapelle (1. Station), weiter über den Gallberg und querfeldein zur Dicken Linde (2. Station), zurück über die Keffelker Straße zum Heiligenhäuschen der hl. Gertrud am Abzweig Nehdener Weg bei der Firma Pinke (3. Station), weiter zum Ulrich-Kreuz  beim Haus Becker Keffelker Straße 15 – Beckers am Kreuz – (4. Station) und von dort zurück zur Propsteikirche. Für die Priester, die Messdiener, die Himmel- und Fahnenträger sowie für alle Beteiligten war dieser Marsch, manchmal bei großer Hitze, eine große Herausforderung. Man musste an die Grenzen gehen und war geschafft aber zufrieden wenn die Prozession um 13.00 Uhr in der Propsteikirche mit dem Schlusssegen zu Ende ging.

Die „Freunde der Keffelke-Kapelle“ sehen sich in der Pflicht das Erbe der Vorfahren in Erinnerung zu halten. Sie würden sich sehr freuen wenn sich, gemäß der Überlieferung, der Bürgermeister, die Ratsherren und die St. Hubertus Schützenbruderschaft, auch in diesem Jahr beteiligen könnten. Selbstverständlich sind auch alle Vereine und Verbände mit ihren Fahnen sowie die gesamte Bevölkerung eingeladen sich zu beteiligen, um der Prozession mit Gesang und Gebet einen würdigen Rahmen zu verleihen.

Foto von Fritz Heitzig: Feldprozession Anfang der 1960er Jahre an der Hubertuskapelle

Quelle: Helmut Mengeringhausen

Bericht : brilon-totallokal.de - Ihr Nachrichtenmagazin aus Brilon

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