Nicht mehr „angesagt“ sich privat um Denkmalschutz zu kümmern?

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Stichwort der Woche: Der Altkreis hat am Sonntag geschlossen!

brilon-totallokal:  Am kommenden Sonntag findet deutschlandweit zum 25. Mal der Tag des offenen Denkmals statt. Im Altkreis Brilon wird man dabei in fünf von sechs Städten in diesem Jahr nicht fündig. Lediglich im Stadtgebiet Marsberg sind mit dem Kloster Bredelar und der Stiftskirche in Obermarsberg zwei Objekte dabei. In Brilon, Olsberg, Winterberg, Medebach und Hallenberg scheint es keine entsprechenden Objekte mehr zu geben. Sicher hatten in den letzten 25 Jahren auch einige Denkmale in unserer Region an diesem Tag ihre Türen geöffnet, aber dass es in diesem Jahr in allen fünf Stadtgebieten mit den vielen Dörfern kein einziges gibt, wirft doch ein negatives Schlaglicht auf unseren Umgang mit alter Bausubstanz und dem mangelnden Interesse an unserer eigenen Geschichte. Das liegt sicher nicht an den paar ehrenamtlichen Aktiven in den Heimatvereinen und den Ortsheimatpflegern, die sich redlich darum bemühen alte Bausubstanz zu retten und Baudenkmäler zu erhalten. Vielmehr ist es in unserer globalen Welt anscheinend nicht mehr „angesagt“ sich privat um Denkmalschutz zu kümmern. Auf Reisen bewundert man natürlich die alten Orte in der Toskana, im Baltikum oder in Polen, aber hier vor Ort ist das „alte Fachwerkgelumpe“ eher hinderlich und beeinträchtigt im Gegenteil die Entwicklung in  unseren modernen Kommunen.

So werden auch weiterhin überall munter Neubaugebiete und Flächen für Supermärkte erschlossen, jede Menge zusätzlicher Flächen versiegelt, während die historische Bausubstanz in den Ortskernen zunehmend leer steht und verfällt. Menschen, die ein altes Gebäude  sanieren, gelten als Exoten, wer „in“ sein will baut neu. Im günstigsten Fall kann es passieren, dass sich im Innenbereich der fünf Altkreisstädte Investoren finden, die den ganzen Rotz abreißen und durch „moderne“ Wohn- oder Geschäftshäuser ersetzen. In den Dörfern finden sich solche Investoren zumeist nicht, dafür entstehen in den Ortskernen, nach Gebäudeabrissen immer mehr Grünanlagen, die dann von der Dorfgemeinschaft intensiv gepflegt werden müssen.

Es hat in den vergangenen Jahren vielerorts Workshops gegeben, in denen die Bevölkerung an Konzepten gegen diese Entwicklung mitarbeiten durfte. Die Ergebnisse dieser teuer bezahlten Studien sind inzwischen vermutlich gut archiviert, passiert ist in den meisten Fällen jedoch (noch?) nichts. Vermutlich haben die Kommunen kein Geld für die Ko-Finanzierung der geplanten Projekte oder der bürokratische Aufwand sprengt die Personaldecke der Verwaltungen. Eines ist sicher, wenn unsere Region auch in Zukunft noch lebenswert sein soll, wenn wir weiterhin Touristen und auswärtige Fachkräfte für unsere Städte und Dörfer begeistern wollen, muss dringend etwas passieren. Sonst bleibt der Altkreis nicht nur am kommenden Sonntag geschlossen!

Ihr Norbert Schnellen

Bericht : brilon-totallokal.de - Ihr Nachrichtenmagazin aus Brilon

brilon-totallokal.de
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