Bandscheibenvorfall – Oh! Mein Kreuz!

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Brilon-Totallokal:  Referenzzentrum für Bandscheibenprothesen an der Halswirbelsäule im Krankenhaus Maria-Hilf in Brilon

brilon-totallokal:  Oh! Mein Kreuz! Wer hat nicht schon einmal schmerzverzerrt sich an die Rücken- oder Halswirbel gefasst. Schmerz lass nach, war dann noch der gelindeste Ausruf. Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule treten seltener als an der Lendenwirbelsäule auf. Jedoch sind diese Vorfälle sowohl von den Patienten, als auch von den Ärzten mehr gefürchtet als die an der Lendenwirbelsäule. Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls der Halswirbelsäule ist wegen der gefährlichen Lage im Bereich des oberen Rückenmarkes nicht problemfrei.

Wirbelsäulenprothetik am Krankenhaus Maria-Hilf in Brilon

Im Juni dieses Jahres wurde Dr. Kordian Wojtas – Facharzt für Neurochirurgie – durch die Firma LDR zum nationalen und internationalen Referenzarzt für die Implantation von Bandscheibenprothesen an der Halswirbelsäule ernannt. In der Bundesrepublik gibt es nun zwei Referenzärzte für diesen Bereich. Weltweit sind es etwa zehn Ärzte. Der zweite Arzt in der Bundesrepublik hat seinen Sitz in München. Die Firma LDR, benannt nach den Firmengründern Christophe Lavigne, Hervé Dinville und Patrick Richard, ist weltweit in annähernd dreißig Ländern und auf vier Kontinenten mit eigenen Geschäftsräumlichkeiten vertreten. Unter anderem auch in der Bundesrepublik. LDR ist einer der weltweit nur sehr wenigen Hersteller der hoch spezialisierten Prothesen, die eine Zulassung der amerikanischen FDA (Food an Drug Administration) für den medizinischen Einsatz dieser Implantate erhalten hat. LDR forscht seit Jahren intensiv in der Wirbelsäulenprothetik. Die FDA gilt als die international führende staatliche Institution zur unabhängigen Prüfung und Anerkennung von Medikamenten, Medizinprodukten oder medizinischen Verfahren. Sie ist dadurch Wegbereiter zur weltweiten Einführung neuer Techniken und innovativer Produkte.

Die Fachärzte für Neurochirurgie – Dr. Kordian Wojtas und Thomas Kruschat – vom Wirbelsäulenzentrum Nordhessen haben 2014 mit Unterstützung des Krankenhauses Maria-Hilf in Brilon an diesem das Wirbelsäulenzentrum Brilon gegründet. Operationen werden daher seit der Zeit mit jährlich etwa dreihundert Eingriffen nach den neuesten Verfahren durchgeführt. Der Halswirbelsäulenbereich wird in diesem Jahr etwa vierzig bis fünfzig Eingriffe umfassen.

Mediziner aus aller Welt werden in Brilon in das OP-Verfahren eingewiesen

Der Ernennung zum Referenzarzt national und international vorangegangen war eine Vorstellung und Diskussion hoch komplizierter medizinischer Fälle auf einer Fachtagung in Paris die bisher als inoperabel galten. Darunter war eine Patientin die zwei Bandscheibenvorfälle hatte. Ihr wurden durch Dr. Kordian Wojtas am Marienkrankenhaus in Kassel zwei Bandscheibenprothesen in einer OP eingesetzt. Ein Eingriff, der weltweit erstmals durchgeführt wurde. „Bei solch komplexen Eingriffen ist das richtige Operationsverfahren vor allem aber die Wahl der richtigen Prothese entscheidend für den Operationserfolg“ macht der Neurochirurg deutlich. Nach seiner Meinung steht dazu aber weltweit nur eine sehr kleine Auswahl von geeigneten Prothesen zur Verfügung. Eine intensive Zusammenarbeit in der Wirbelsäulenprothetik mit z. B. LDR ist notwendig, da die meist sehr kostenintensive Entwicklung von Bandscheibenprothesen vorangetrieben werden muss. Umgekehrt kann eine Weiterentwicklung von Verfahren und Medizinprodukten durch diese Unternehmen nur in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Neurochirurgen erfolgen, die nach international geltenden Standards ausgewählt werden müssen. Durch die Ernennung zum internationalen Referenzarzt ist Dr. Kordian Wojtas nun unmittelbar auch auf internationaler Ebene an der Weiterentwicklung der Wirbelsäulenprothetik beteiligt.

Keine Versteifung mehr – dafür innovative Technik

Eine Bandscheibenprothese an der Halswirbelsäule stellt definitiv eine sinnvolle Alternative dar. Nicht in jedem Fall, jedoch bei etwa neunzig Prozent der Fälle ist dieses die richtige Lösung. Es müssen aber bestimmte anatomische Voraussetzungen erfüllt sein. Unter anderem kann erst nach Abschluss der Wachstumsphase eine solche OP vorgenommen werden. Langzeituntersuchungen ( fünf und mehr Jahre) haben gezeigt, dass die Implantation von Bandscheibenprothesen an der Halswirbelsäule für den Patienten deutliche Vorteile mit sich bringt und den Implantaten von Platzhaltern (s.g. Cage) überlegen ist. In der Vergangenheit konnte den Patienten manchmal nur noch durch eine Versteifung der Halswirbel, ein einigermaßen hinnehmbares Dasein ermöglicht werden. Das ist heute mit der neuesten Technologie zu fast einhundert Prozent lösbar. Zur Zeit wird die Entwicklungsstufe drei implantiert. Die Bewegung bleibt weitestgehend erhalten. Der Patient erhält nach der OP keine Halskrause. Er bleibt ca. vier bis fünf Tage zur Beobachtung im Krankenhaus, der Halswirbelbereich ist voll beweglich. Sechs Wochen nach der OP kann nach einer Röntgenüberprüfung wieder mit sportlichen Betätigungen begonnen werden. Die einzusetzende Prothese ist in den Maßen 15, 17 und 19 mm und in den Dicken von 4,5 mm bis 7 mm in schritten von 0,5 mm erhältlich. Der Sitz der Prothese in der Halswirbelsäule wird durch eine Verzahnung an der Unterseite, die sich in den Knochenbereich einarbeitet sichergestellt. Da die Nervenstränge nicht dehnbar bzw. nicht stauchbar sind, ist ein Einbau bei einer Bandscheibenstärke von weniger als 4,5 mm und mehr als 7 mm nicht möglich. Der Einbau von bis zu vier Prothesen ist möglich, mehr als zwei in einem OP-Vorgang wurden bisher jedoch nicht eingebaut. Das OP-Risiko sieht Dr. Kordian Wojtas bei statistischen 0,4 Prozent. Bisher hat das Wirbelsäulenzentrum Brilon zwei vier- etagige Halswirbel in mehreren OP’s eingebracht. Der häufigste Grund für Halswirbelprothetik besteht im Verschleiß, wobei dieses jedoch keine Frage des Alters des Patienten ist.  

Bildunterschrift:

Das „Ersatztreilleger“ an Implantaten für Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule mit den beiden Fachärzten für Neurochirurgie Thomas Kruschat (li.) und Dr. Kordian Wojtas.

Text und Bild: Peter Kasper

 

 

Bericht : brilon-totallokal.de - Ihr Nachrichtenmagazin aus Brilon

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