Zum Internationalen Tag der Pflege „Pflege in Marsberg kann nicht jeder – aber wir!“

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Brilon-Totallokal: Marsberger Pflegefachtagung – Sofortmaßnahmen für die Pflege

brilon-totallokal: Marsberg. Mehr Zeit, mehr Personal, mehr Geld: Dieser Dreiklang wurde jetzt auf der Pflegefachtagung des Marsberger Qualitätszirkels der Pflege- und Gesundheitseinrichtungen im LWL-Festsaal laut, und zwar mehrfach, teils sogar vehement. Selbstbewusst, mitunter auch selbstkritisch, blickten die rund 100 Pflege-Profis während der Tagung auf die aktuelle wie zukünftige Lage ihres Berufsstandes. Danach kann der zitierte Dreiklang weiter ergänzt werden: mehr Wertschätzung, mehr Mitsprache, mehr Lobbyarbeit. Diese Forderungen wurden zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai auch andernorts lauter.

Die Zukunft der Pflege ist das Top-Thema im Land. Es ist hoch komplex, gleichermaßen hoch emotional belegt. Es betrifft immer (mehr) Menschen und es tangiert zugleich Themen, die polarisieren. Beispielhafte Stichworte sind: Ausbildung und Zuwanderung. Beides wird aktuell auf der politischen Berliner Bühne diskutiert.

Die Generalistische Pflegeausbildung, die zukünftig die drei bis dato separaten Examenswege in der Alten-, Kranken- und Gesundheits- sowie Kinderkrankenpflege in eine gemeinsame Ausbildung fassen wird. Die Akteure des Marsberger Qualitätszirkels seien – so Pflegewissenschaftler Carsten Drude – für die Reform auch gut aufgestellt. „Mit dem Pflegezirkel haben Sie bereits ein Netzwerk geschaffen, in dem Kooperationen gepflegt werden“, sagte Drude, der ebenfalls Mitglied im Deutschen Pflegerat ist. In der zukünftigen Generalistischen Pflegeausbildung müssen voraussichtlich Praxiseinheiten in den verschiedensten Arbeitsfeldern absolviert werden.

Vom Altenheim bis zur Pädiatrie, von der ambulanten Pflege bis zur Akutversorgung im Krankenhaus reiche die Spanne. Eine Spannweite, die selten ein Träger allein unter seinem Dach vereint. Kooperationen für die Ausbildung neuer Pflegefachkräfte seien daher die Zukunft. Hingegen sei die Berufsbezeichnung noch offen: Pflegefachfrau, Pflegefachmann wären eine Option, die bspw. in der Schweiz und Liechtenstein gebräuchlich ist. Dort sind die Pfleger mit der Allround-Ausbildung bereits im Einsatz, so Carsten Drude. Der Referent warb in seinem Vortrag auch für die Installation einer Pflegekammer, wie sie es bereits in drei Bundesländern gibt. Die Kammer könnte wichtige Lobbyarbeit leisten, um die Mitsprache und Teilhabe der Pflegefachkräfte bei Gesetzgebungsverfahren deutlich zu erhöhen.

Um die immer weiter auseinanderdriftende Personallücke zu schließen, müssen unbedingt sowohl die Rahmenbedingungen – Zeit, Geld, Personal – als auch das Image des Pflegestandes verbessert werden. Ebenso müsse – endlich – ein Einwanderungsgesetz erlassen werden, um langfristig und verlässlich Fachpersonal in der Pflege zu gewinnen, so wie es bereits in Norwegen und Schweden greift und dort darüber hinaus zu besseren Arbeitsbedingungen, bemerkte Bundestagsabgeordneter Dirk Wiese auf dem Podium. „In einem so reichen Land wie Deutschland muss für die Pflege mehr Geld im System sein“, forderte Klaus Niggemann, Pflegedirektor St. Marien-Hospital Marsberg. Eine Forderung, die von Claudia Arzt, Einrichtungsleiterin DRK Seniorenzentrum „Haus am Bomberg“ ergänzt wurde: „Wir brauchen einen Masterplan für die Pflege“. Der maßgeblich von der Politik mitgeschrieben werden muss. „Wir fangen erst einmal mit dem an, was im Koalitionsvertrag steht“, sagte Wiese mit Blick auf die noch junge Koalition. Das war für Claudia Arzt nicht genug: „Meine Mitarbeiter haben keine acht Wochen Zeit, sich einzuarbeiten. Das muss schneller gehen. Wir brauchen Sofortmaßnahmen!“

Was brauchen die Menschen und Pflegenden vor Ort? Diese Leitfrage wurde nachmittags in verschiedenen Themenfeldern beim World Café von den Pflegeprofis gestellt. Als Antwort kam oft Kooperation, bspw. um die Patienten besser zu informieren, wer in eine Geriatrie aufgenommen werden kann oder wie es gelingt, dass Palliativpatienten weniger im Krankenhaus, dafür wieder mehr zu Hause sterben können. „Denn das ist der Wunsch vieler Patienten“, sagte Karen Mendelin, Fachbereichsleiterin ambulante Alten- und Krankenhilfe beim Caritasverband Brilon.

Diskussion, Information, Bildung: Daran konnten die Teilnehmer der Pflegefachtagung, die von Maria Wiggen, stellv. Pflegedirektorin LWL-Kliniken, moderiert wurde, teilhaben – und an einem bedeutenden Quäntchen mehr: Selbstbewusst und solidarisch positionierten sich die Fachleute gemeinsam für die Pflege samt Beruf. „Wir für Sie – Pflege in Marsberg kann nicht jeder – aber wir“, lautete auch das Tagungsmotto. Das auch Klaus Hülsenbeck, Bürgermeister Marsberg, unterstrich: „Seien Sie sich der Wertschätzung der Bürger gewiss. Ihre professionelle und empathische Begleitung und Pflege sind unbezahlbar.“

Info: Marsberger Qualitätszirkel der Pflege- und Gesundheitseinrichtungen
In dem Marsberger Qualitätszirkel der Pflege- und Gesundheitseinrichtungen haben sich das St.-Marien-Hospital, der LWL Marsberg (Kliniken, Wohnverbund & Pflegezentrum), das DRK Seniorenzentrum „Haus am Bomberg“, der Caritasverband Brilon, das Altenheim St. Franziskus Beringhausen und die K & S Seniorenresidenz Marsberg zusammengeschlossen. Gemeinsam engagieren sich die Akteure für ein qualitativ gutes und zuverlässiges Angebot und Netzwerk für die Gesundheit, Begleitung und Pflege der Bürgerinnen und Bürger vor Ort in allen Lebensphasen.

Foto: Diskussion: Auf dem Podium der Pflegefachtagung diskutierten Carsten Drude (Mitglied im Deutschen Pflegerat), Klaus Niggemann (Pflegedirektor St.-Marien-Hospital Marsberg, Claudia Artz (Einrichtungsleiterin DRK-Seniorenzentrum „Haus am Bomberg“ und Bundestagsabgeordneter Dirk Wiese.

Quelle: Sandra Wamers, Caritasverband Brilon e.V.

Bericht : brilon-totallokal.de - Ihr Nachrichtenmagazin aus Brilon

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