Sexualstraftaten: Vortrag „Anonyme Spurensicherung“ am 14. November 2018 im Briloner Krankenhaus

Brilon-Totallokal: Ein wichtiges Thema enttabuisieren

brilon-totallokal: Jede siebte Frau erlebt ab dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt. Dieses Jahr suchten bereits  69 Frauen, die  Opfer von Sexualdelikten  waren, die Beratungsstelle in Meschede auf. 91 Frauen waren es letztes  Jahr in der Beratungsstelle in Arnsberg.  Durch die traumatischen Erlebnisse sind die meisten Opfer nicht  in der Lage, zeitnah zur Polizei und zu einem Arzt zu gehen. Sie haben Angst, dass  man ihnen nicht glaubt  und  dass sie vor Gericht noch mal das schreckliche Geschehen schildern müssen. Sie  fühlen sich  erniedrigt und  beschmutzt.  Viele  Frauen schaffen es dann nur noch, sich zu duschen und  damit „reinzuwaschen“!  Und so werden dann rechtlich relevante Spuren verwischt oder gänzlich zerstört.

Anonyme Spurensicherung

Und hier tritt die Kampagne der Frauenberatung Arnsberg  auf den Plan, die sich für medizinische Soforthilfe nach sexueller Gewalt und die Möglichkeit der anonymen Spurensicherung einsetzt. Seit 2016 bieten die Krankenhäuser in Brilon, Arnsberg  und Meschede diese Spurensicherung an. Es ist wichtig, dass sich die Opfer von Sexualstraftaten  direkt nach der Tat  in ärztliche Behandlung begeben. Dort werden  mithilfe eines Spurensicherungssets  Untersuchungen durchgeführt, mit deren Ergebnissen der Ablauf eines Sexualdeliktes auch vor Gericht bewiesen werden kann, beispielsweise  geben Einblutungen  am Auge Hinweise auf Würgegriffe. Die herkömmlichen gynäkologischen Untersuchungen würden einer Anzeige i. d. R. nicht standhalten.

Die gesicherten Spuren werden codiert und anonym zehn Jahre lang an einer zentralen Stelle in der Rechtsmedizin in Münster  aufbewahrt. So können die Opfer erstmal zur  Ruhe kommen und überlegen, ob und wann sie Anzeige erstatten wollen – die relevanten Spuren sind definitiv gesichert. Wenn jedoch zuerst eine Anzeige bei der Polizei erfolgt, ist das Ermittlungsverfahren nicht mehr aufzuhalten, egal ob die Frau das noch möchte oder nicht. Es gibt natürlich auch sexuelle Gewalt gegen Männer, die hauptsächlich auch von Männern ausgeht. Auch sie sollten die gynäkologische Abteilung aufsuchen, wo die Spurensicherungssets  sich befinden. Danach führt der Weg dann in die urologische Abteilung.

Anne Schwartz, Fachärztin für Gynäkologie im Briloner Krankenhaus, erläuterte, dass die Opfer auch auf ansteckende Krankheiten wie HIV und Hepatitis untersucht werden. Außerdem wird auch auf Wunsch die „Pille danach“ verschrieben.  Die entstandenen Kosten werden zurzeit über die allgemeine  Notfallpauschale abgerechnet. „Die ärztliche Schweigepflicht gilt natürlich auch in diesen Fällen und ist extrem wichtig“, führte Uschi Plenge von der Frauenberatung Arnsberg aus. „Wenn die Frauen allerdings wünschen, dass der Arzt als Zeuge bei Gericht auftritt, kann er von der medizinischen Schweigepflicht entbunden werden“.

Vortrag  „Anonyme Spurensicherung“  am 14. November 2018 im Briloner Krankenhaus

Um die medizinische Soforthilfe nach sexueller Gewalt und die Möglichkeit der anonymen Spurensicherung noch  mehr publik zu machen, bietet die Frauenberatung Arnsberg in Kooperation mit dem Arbeitskreis häusliche Gewalt Arnsberg, dem Aktionskreis gegen häusliche Gewalt im HSK, der Frauenberatung Meschede und dem Städtischen Krankenhaus Maria-Hilf  Fortbildungen an. Der  nächste Vortrag  „Anonyme Spurensicherung – eine Chance für Opfer von Sexualstraftaten“  findet  am 14. November 2018 von 14.00 bis 17.30 Uhr im Städtischen Krankenhaus Maria-Hilf in Brilon im großen Konferenzraum, 4. Etage, statt und wendet sich hauptsächlich an Mitarbeiter von sozialen und medizinischen Einrichtungen. Referentinnen  sind:  Prof. Dr. Heidi Pfeiffer vom Rechtsmedizinischen Institut der Uni Münster, Anne Schwartz, Fachärztin für Gynäkologie im Krankenhaus Brilon, Staatsanwältin Eike Andrea Bramlage, Staatsanwaltschaft Arnsberg und  Susanne Willmes, Psychologin B.Sc. der Frauenberatung Meschede.  Anmeldungen werden im Briloner Krankenhaus entgegengenommen.

Soforthilfe nach sexueller Gewalt

Medizinische Soforthilfe nach sexueller Gewalt:  Die  gynäkologischen Abteilungen des Städtischen  Krankenhauses Maria-Hilf in  Brilon (02961/7800), des  Klinikums Arnsberg Karolinen-Hospital  (02932/9520) und des St. Walburga-Krankenhauses in Meschede (0291/2020). Dort können Spuren sexueller Gewalt anonym gesichert werden.

Informationen und psychologische Beratung: Frauenberatung Arnsberg (02931/2037) und Frauenberatung Meschede (0291/52171). Dort wird Frauen und Mädchen Hilfe und Unterstützung angeboten.

Foto: von links: Uschi Plenge (Frauenberatung Arnsberg), Jana Schlömer (Frauenberatung Meschede ) und Anne Schwartz (Gynäkologin Briloner Krankenhaus)

Quelle: Ursula Schilling

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