Brilon-Totallokal: Brilon im Wandel der Zeit
brilon-totallokal: „Hier ist ein akademisches Werk entstanden“, so Bürgermeister Dr. Christof Bartsch bei der Präsentation des zweiten Bandes mit dem Titel „Spuren“. „Ein buntes Nebeneinander von vielen verschiedenen Meinungen ist in diesem Band zusammen gekommen.“ Der Bürgermeister bedankte sich bei allen Beteiligten, allen voran bei Ute Hachmann (Leiterin Stadtbibliothek), bei dem Verleger Walter Podszun und bei den beiden Hauptautoren Reinhard Sommer und Volker Gedaschke. „ Viele Einflüsse prägen eine Stadt, eine Landschaft und auch das gesellschaftliche Leben“, führte Ute Hachmann aus. „Menschen reagieren darauf und hinterlassen Spuren“. Auch ihr Dank ging an die Hauptautoren und an die Autoren der Kurzbeiträge. Fast dreißig von etwa 70 angeschriebenen Personen haben Kurzbeiträge verfasst, in denen es beispielsweise um Antworten auf die folgenden Fragen ging: „Warum hat man den Standort Brilon gewählt“? oder „Welche Visionen hat man für die Stadt Brilon“?
Turbulenzen bei der Industrieansiedlung der Firma Egger in Brilon
Der erste der beiden Hauptautoren, Reinhard Sommer, schreibt in seinem Bericht über die Probleme, die seinerzeit mit der Industrieansiedlung der Firma Egger in Brilon einhergingen. Er war damals 1. Beigeordneter der Stadt Brilon und somit Zeitzeuge. Auch deshalb ist er heute noch emotional berührt, wenn er an die extremen Auseinandersetzungen denkt, zu denen es vor ungefähr 30 Jahren in Brilon gekommen war. Man befürchtete eine starke gesundheitliche Gefährdung der Briloner Bevölkerung durch Schadstoffemissionen der Firma Egger und kontrovers geführte Auseinandersetzungen waren die Folge. Heute stellen sich die Schadstoffprognosen als maßlos übertrieben dar, aber damals waren sie Anlass für „turbulente“ Zeiten. Reinhard Sommer beleuchtet außerdem noch die Mechanismen, die bei den Auseinandersetzungen seinerzeit zum Tragen gekommen sind und welche Fehler – auf beiden Seiten – begangen worden sind. Auch geht er der Frage nach, ob sich ein Muster herauskristallisiert hat, das sich heute wie damals bei öffentlichen Konflikten zeigt. Die Firma Egger – seit nunmehr 1990 in Brilon ansässig – ist heute ein vollintegrierter Standort und hat die Anzahl seiner Mitarbeiter von seinerzeit 240 auf aktuell über 1100 steigern können.
Turbulenzen bei der Erweiterung des Steinbruches am Bilstein
Turbulent ging es auch im Zusammenhang mit dem Steinbruch am Bilstein zu. Der Bilstein ist ein 622 m hoher Berg, der sich 4 km östlich von Brilon am Südrand der Briloner Höhen befindet. Südöstlich des Bergs liegt der Briloner Ortsteil Hoppecke, dessen Bürger sich durch die Sprengarbeiten und hohe Staubbelastung massiv gestört fühlten. Bei der Erweiterung des Steinbruchs kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen kommunaler Verwaltung und den Bewohnern von Hoppecke. Schließlich wurde die Erweiterung doch genehmigt. Heute befindet sich z. B. auf der Bilsteinhalde eine Aussichtsplattform mit großer Aussicht.
Heinrich Eduard Pape – Ehrenbürger von Brilon
Der zweite der Hauptautoren, Volker Gedaschke, machte sich auf Spurensuche nach Heinrich Eduard Pape. Zunächst beleuchtete er den Lebenslauf des Juristen Pape, der am 13.9.1816 in Brilon geboren wurde und am 10.9.1888 in Berlin verstarb. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft wechselte der gebürtige Briloner in den preußischen Justizdienst. Er arbeitete u.a. an der Ausarbeitung des deutschen Handelsgesetzbuches und an der Prozessordnung für Zivilrechtsfragen des preußischen Staates mit. Der Jurist wurde 1874 von Otto von Bismarck mit dem Amt des Präsidenten der Kommission zur Erarbeitung eines Allgemeinen deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches betraut.
Volker Gedaschke macht sich in seinem Beitrag auch auf die Suche nach Spuren von Heinrich Eduard Pape in Brilon. 1899 wurde z. B. ein marktplatzprägendes Denkmal von ihm eingeweiht, das aber 1918 wieder eingeschmolzen wurde. Der Jurist war auch Namensgeber für die Eduard-Pape-Schule in Brilon. In der Briloner Bahnhofstraße Nr. 13 und 13a ist eine Tafel mit Angaben zum Leben von Brilons berühmten Sohn angebracht. Der Name von Heinrich Eduard Pape wird immer mit Brilon in Verbindung gebracht werden.
Die vierbändige Brilon-Edition: „800 Jahre Stadt Brilon“
Im November 2017 ist bereits der erste Band „Brilon im Wandel der Zeit“ herausgebracht worden, der inzwischen in zweiter Auflage vorliegt. Nächstes Jahr ist ein Band geplant, der vorrangig Bilder von Brilon in den Fokus rückt. Im Jahr 2020 – Jubiläum „800 Jahre Stadtrechte Brilon“ und 40. Internationale Hansetage – soll der vierte Band erscheinen, der Brilon im europäischen Kontext beleuchten will.
Der Verleger Walter Podszun betonte die gute Zusammenarbeit mit dem gesamten Redaktionsteam und erläuterte, dass das Buch zunächst mit einer Auflage von 400 Stück erschienen ist. Der aktuelle Band ist ab sofort im Handel erhältlich.
Quelle: Ursula Schilling



