Podiumsdiskussion mit Dirk Wiese: E-Mobilität im ländlichen Raum

 

Brilon-Totallokal: E-Mobilität wird auch die Mobilität im ländlichen Raum verändern

brilon-totallokal: Gevelinghausen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „SPD-Bundestagsfraktion vor Ort“ kamen rund 35 Interessierte, die der Einladung des heimischen Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese zum Gasthof Rath folgten. Neben Arno Klare (MdB), Mitglied im Ausschuss für Verkehr und Digitale Infrastruktur, nahmen Thomas Frye von der IHK Arnsberg (Leiter des Geschäftsbereichs Südwestfalen) und Lothar Stanka (Vice President Sales EMobility innogy SE) an der Podiumsdiskussion teil.

Durch die Globalisierung, neue digitale Möglichkeiten und durch den Klimawandel verändert sich die Welt mit rasender Geschwindigkeit. Das fordert ein Umdenken, sowohl wirtschaftlich und ökologisch als auch politisch: „Mobilität im ländlichen Raum – von Dieselverbot und neuen Wegen in der Verkehrspolitik“, lautete daher das Thema.

Car-Sharing aufm Dorf mit Elektro-Mobilität

Arno Klare, bis 2017 Mitglied im Abgas-Untersuchungsausschuss, zeigte in einem Impulsreferat auf, wie durch Car-Sharing, d. h. gemeinschaftliche Nutzung von Fahrzeugen, die Zahl der Automobile auf den Straßen gesenkt werden könnte. Auch sei die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken ein Ziel der Sozialdemokraten. Er erläuterte am Beispiel von Ahaus, wie dort per App stundenweise ein Elektroauto gebucht werden kann. „Mobility on demand“ sei auch beim ÖPNV eine denkbare Lösung. Die fortwährend voranschreitende Digitalisierung werde auch den Öffentlichen Personennahverkehr revolutionieren.

Am Beispiel der neuen Elektroauto-Flotte von VW, die ab 2020 in Serie gehen soll, verdeutlichte Klare, dass eine batteriebetriebene Leistung von 350 bis 400 Kilometern Reichweite kein Problem mehr darstellt. Und: „Rund 40 % des Stroms stammen aus erneuerbaren Energien.“ Deutschland sei auf dem Weg, ein bedeutender Leitanbieter von Elektrofahrzeugen zu werden.
Die maßgeblich von der SPD-Bundestagsfraktion vorangebrachte Musterfeststellungsklage ist erstmals angelaufen. An dieser Musterfeststellungsklage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV) gegen VW beteiligen sich mehr als 407.000 Verbraucher. Volkswagen biete den Kunden inzwischen Vergleiche an. Bis Ende 2019 seien SCR-Nachrüstungen möglich, an deren sich VW und Daimler mit jeweils 3000 Euro beteiligen.

Neue Herausforderungen für Automobilzulieferer – Diesel unverzichtbar

45 Tsd. Beschäftigte im Bereich Automotive in Südwestfalen sind eine Hausnummer. „Das ist jeder 7. Arbeitsplatz in der Industrie“, schilderte Thomas Frye bei der anschließenden Podiumsdiskussion.Südwestfalen sei einer der Kernstandorte der Automotive-Industrie und im Automobil-Segment führend. Die Umstellung auf Elektroantrieb verändere die Märkte.

Insbesondere bei der Antriebsteuerung müssten sich die Zulieferer umstellen. Doch auf lange Sicht sei an dem Diesel nicht vorbeizukommen, so Frye. Der Elektroantrieb komme, aber auf absehbare Zeit ganz überwiegend in einer Hybridvariante.Gewinner werden jene Zulieferer sein, welche die Autohersteller mit Batterien, Elektromotoren, Kabelsätzen und der notwendigen Steuerelektronik beliefern. „Da eröffnen sich für die Zulieferer dann auch neue Märkte.“ Zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität bedürfe es eine intelligente Verkehrssteuerung.

„Die Zukunft der Ladepunkte wird sich verändern“ (Lothar Stanka)

Lothar Stanka, selbst Fahrer eines Hybridfahrzeugs, sieht die Ladeinfrastrukturen als noch nicht ausgereift. Seit zehn Jahren ist Stanka im Bereich E-Mobilität unterwegs: „Wir sehen in den letzten zwei Jahren eine Tendenz. Die Zukunft der Ladepunkte wird sich verändern. Zuhause, beim Arbeitgeber oder im Supermarkt werden sie sein.“ Er vergleicht diese Herausforderung mit dem Aufladen eines Smartphones. „Die Herausforderung ist nicht die Menge, sondern die Zeit.“ Also Menge pro Zeit.

Eine Münchner Firma habe eine App entwickelt, die den Ladebedarf von E-Autos ermittelt. Das Ziel seien intelligente Ladestrukturen. Ein Ladevorgang bei einem Plug-in Hybrid dauert nur ca. drei Stunden, während ein Tesla bei einer Ladeleistung von 22 kWh für ca. 100 km rund eine halbe Stunde braucht. Zuhause bei 3,7 kWh wären es 25 Stunden. „Wir setzen alles auf diese Karte“, schreibt VW. „Wenn man elektrisch fährt, tankt man anders.“ Und: „Auch die Produktion von Stahl und Aluminium wird flexibler werden“, schilderte Stanka.

Thomas Frye brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen eine intelligente Verkehrssteuerung. Die Versorgungssicherheit hängt von der Netzstabilität ab.“ Sonne und Wind seien unendliche Quellen – auch für die Herstellung von Wasserstoff aus den sogenannten Stromspitzen – das Erdöllager der Zukunft.

Im Anschluss an Podiumsdiskussion nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, kritische Fragen zu stellen. Dirk Wiese: „Die Mobilität im ländlichen Raum ist die eigentliche Herausforderung der Zukunft. Hier geht es nur im Zusammenspiel der unterschiedlichen Antriebsarten, ergänzt durch einen gut ausgebauten ÖPNV, reaktivierte Bahnstrecken und innovative Mobilitätskonzepte, wie unsere Sauerländer Bürgerbusse oder Dorfautos als Form des Car-Sharing.“

Wir fragten im Anschluss Taxiunternehmer Christoph Senge aus Brilon, ob er sich Taxen mit Elektroantrieb vorstellen könne.

Christoph Senge: „Meines Erachtens macht ein Elektrofahrzeug für Taxiunternehmen keinen Sinn. Sicherlich ist nicht jedes Taxi jeden Tag auf Ferntour. Selbst wenn die Hersteller eine Reichweite von 350 bis 400 km versprechen, spricht eine hohe Ladezeit dagegen. Ich kann nach einer Fahrt nach Düsseldorf, Frankfurt o.ä., bei der ich vielleicht mit viel Glück noch zurück komme, das Auto nicht erst einmal Stunden zum Laden abstellen.Selbst wenn das Taxi sich im näheren Umkreis bewegt und auch immer mal wieder steht und diese Zeit zum Aufladen genutzt werden könnte.

Wenn mir z. B. eine Restlaufstrecke von 100 km angezeigt wird und ich bekomme eine Fahrt nach Kassel, komme ich dort noch an, stehe dann aber dort und muss zunächst laden. Zeit, die mir niemand bezahlt. Abgesehen davon vermisse ich Informationen wie sicher E Fahrzeuge sind, z. B. bei einem Unfall oder Fahrzeugbrand.“

Quelle: Silke Nieder

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