Huhn trifft Korn

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Brilon-totallokal: 3. Sauerländer Tischreden motivieren zu grenzüberschreitenden Gesprächen

brilon-totallokal: Als es Anfang Juni wieder hieß „Gib der Armut dein Wort“ fühlte sich jeder Gast gleich willkommen. Dafür sorgten die persönliche Begrüßung an der Tür, eine Platzkarte an einem der acht Tische, freundliche Jazzmusik im Hintergrund, für die Dirk Mündelein an der Gitarre und Gero Gellert am Bass sorgten, und ein verheißungsvoller Geruch aus der Küche. Diakoniepfarrer Peter Sinn vom Ev. Kirchenkreis Soest-Arnsberg und Sandra Grimm von der DGB Region Südwestfalen, begrüßten, führten ins Thema ein und eröffneten den Abend mit Luther-Gedanken: Der wusste, was Menschen brauchen: Brot und Gemeinschaft. Und dafür könne man danken. Ein Team aus jungen und älteren Neu-und Altbrilonern servierte gekonnt die von den Köchelnden Kerlen zubereiteten Speisen, auf die phantasievolle Bezeichnungen auf der Speisekarte neugierig gemacht hatten: So entpuppte sich „Huhn trifft Korn-eine verwickelte Geschichte“ als mit Huhn oder Marzipan gefüllte Teighörnchen und „Some like it hot – heißes Entblättern, zu Tränen gerührt“ als mit geschmolzenem Käse bedeckte Zwiebelsuppe.

Liebe zum Detail zeigte sich beim Tischschmuck und den Gastgeschenken – aber erst recht bei den inhaltlichen Akzenten, die vom Rednerpult aus und an den Tischen  gesetzt wurden. 54 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen und Verwaltung, Caritas und Diakonie, Kirche und Sozialamt saßen zusammen, stellten sich einander vor und diskutierten, lachten und wurden sehr persönlich während der Gesprächspausen nach den kurzen Impulsen von Karl-Heinz Does, Bildungsreferent der Heimvolksschule der KAB am Möhnesee, Susanne Schulze, Leiterin der Erwachsenenbildung in der Regionalstelle Meschede im Kirchenkreis Soest-Arnsberg, und von den Sozialpädagogen Gerd Heiler-Schwarz und Antonia Vogt von der Diakonie Ruhr-Hellweg.

In den Vorträgen ging es um die katholische Sozialethik, deren Hauptanliegen es sei, den Sozialstaat zu bewahren und der Gegenwart anzupassen. Karl-Heinz Does beschrieb als wichtigste Leitlinien die Würde jedes Menschen, egal ob reich oder arm, die Solidarität aller mit einander, das Prinzip der Subsidiarität, deren Ziel es ist, Menschen zum eigenständigen Handeln zu ermächtigen, und das Prinzip der Nachhaltigkeit, das die nächsten Generation im Blick hat. Susanne Schulze verteilte Fragebögen und forderte die Gäste auf, sich die eigene Beziehung zum Geld bewusst zu machen: In welcher Lebensphase war Geld für Sie besonders wichtig? Was haben Geld und Geschlecht miteinander zu tun? Wer hat Ihnen den Umgang mit Geld vermittelt? Die Fragen führten zu sehr nachdenklichen, persönlichen Gespräche. Unterschiede wurden deutlich zwischen dem Sohn von Beamten, der unbelastet von Geldsorgen aufwuchs, und Kindern selbstständiger Geschäftsleute oder Landwirte, die sich ständig Sorge um den Verdienst oder die Ernte machten. Wie die Eltern und Großeltern Taschengeld und Geldgeschenke gemacht hatten, hat den eigenen Umgang mit Geld beeinflusst und den Blick auf Armut geprägt.

Gerd Heiler-Schwarz trug eine Utopie vor von Werner, dem letzten Armen. Er entfaltete die positive Wirkung von Gesetzen, die Armut wirklich bekämpfen, indem sie erlauben, zum Arbeitslosengeld so viel hinzuzuverdienen, dass eine Familie davon leben kann, indem sie für gründliche Nachhilfe für Kinder aus prekären Verhältnissen sorgen, und Geldanlageprojekte allen Menschen zugänglich machen. Von der Utopie führt Antonia Vogt zurück auf den Boden der Realität. Sie stellte den Zwischenbericht der Forschungswerkstatt „Ökonomische Grundbildung für Erwachsene“ vor. Aus ihm geht hervor, dass nur wenige Menschen sich trauen, mit anderen über Geld zu reden, dass viele ihre wirtschaftlichen Kenntnisse überschätzen und dass nötige Fortbildungen leider von zu wenig Menschen genutzt werden.

Die dreieinhalb Stunden verflogen im Nu, das Essen schmeckte und Ideen entstanden. Manche von ihnen schrieben die Besucher – angeregt von Moderatoren, die der Arbeitskreis gegen Armut im HSK gewonnen hatte, – auf die Papiertischtücher. Diese Anregungen werden für die Vorbereitung der nächsten Tischreden herangezogen.

Dass es eine Fortsetzung dieses erfolgreichen Kooperationsformates gibt, kann man nur hoffen. Die Mitglieder des Arbeitskreises  erreichen damit  ihr Ziel, Akteure und Akteurinnen der Zivilgesellschaft mit einander ins Gespräch zu bringen, die gemeinsam Wege zur Überwindung von Armut finden und gehen können.

Der Arbeitskreis setzt sich aus Vertretern und Vertreterinnen des Ev. Kirchenkreis Soest-Arnsberg, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, des Caritas Verbandes Arnsberg-Sundern, der Diakonie Ruhr-Hellweg e.V. und des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen zusammen. Die Vielfalt dieses Arbeitsbündnisses spiegelte  sich im breiten Spektrum der Arbeitsfelder und Herkunft der Gäste.  Grenzen zwischen Institutionen wurden überschritten, Ideen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Die gastfreundliche Atmosphäre und das lecker Essen erzeugten begeisterte Gespräche. Ein Abend, der gut in die Woche vor Pfingsten passte.

Quelle: Kathrin Koppe-Bäumer

Bericht : brilon-totallokal.de - Ihr Nachrichtenmagazin aus Brilon

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