Übernachtungszahlen in Willingen im Sommer fast wieder auf Vorkrisen-Niveau

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Planungen und Projekte: Unternehmer blicken optimistisch in die Zukunft

 

Das erste Halbjahr seit Beginn der Pandemie, das nicht von Schließungen betroffen war, hat die Urlaubsregion Willingen erfolgreich hinter sich gebracht. Das Statistische Landesamt meldet für die Zeit Januar bis Juni 162.721 Gäste und 441.769 Übernachtungen. Damit hat Willingen das Vorkrisenniveau von 2019 noch nicht wieder erreicht, ist aber auf einem sehr guten Weg. Den Start in das erste Halbjahr erschwerten der milde Winter und über Monate hinweg eine große Unsicherheit hinsichtlich des Infektionsgeschehens. Auch der Skisprung-Weltcup ohne Zuschauer hat erheblichen Anteil an dieser Entwicklung gehabt. Lag Willingen im ersten Quartal noch 28 Prozent unter dem Niveau von 2019, so haben die Gastgeber deutlich aufgeholt und das Minus auf 18 Prozent reduziert. Vor allem die Monate April und Mai waren erfolgreich. Der Juni lag mit 3,4 Prozent wieder leicht unter dem Wert von 2019. Allerdings auf hohem Vergleichsniveau, denn vor drei Jahren wies der Juni die beste, jemals in Willingen in diesem Monat registrierte Übernachtungszahl auf.

 

Spontan mal raus und nicht weit weg ist nach wie vor attraktiv

„Die Reisebeschränkungen sind gefallen. Die Menschen können wieder fliegen und wollen raus“, hat Tourismusdirektor Norbert Lopatta erfahren. Auch wenn an den Flughäfen großes Chaos geherrscht habe, hätten die Reisenden an den bereits getätigten Buchungen festgehalten. Hingegen habe die Region von den Unentschlossenen profitiert: „Wer bis Juni noch nicht gebucht hatte, hat sich vielfach für einen Urlaub in der näheren Umgebung entschieden.“ Grund sei neben den Missständen im Flugverkehr auch die Sorge um die Inflation, die hohen Energiepreise und die inzwischen beschlossene Umlage. In den Übernachtungszahlen spiegelt sich auch der sehr späte Beginn der hessischen Sommerferien wider.

 

Ähnlich sieht es aus bei den Tagesgästen, die allerdings nicht durch Statistiken erfasst werden. Der Besuch von Freizeitanlagen ist ein guter Indikator. Nach einem guten April und dem Bike Festival im Mai als Zuschauermagnet sei die Besucherzahl etwas zurückgegangen, hat beispielsweise die Ettelsberg- Seilbahngesellschaft registriert. Mit dem Beginn der hessischen Ferien in der vierten Juliwoche sei die Nachfrage aber wieder deutlich angezogen. Gestiegen sei vor allen Dingen die Zahl der Wanderer, die hoch auf den Willinger Hausberg fahren. „Ettelsberg-Hütte und der Hochheideturm sind inzwischen wieder durchgehend geöffnet. Die Gäste haben wieder ein Ziel“, erklärt Marina Kieweg von der Ettelsberg-Seilbahn und Liftgemeinschaft Köhlerhagen. Ein Zuschauermagnet sind die Veranstaltungen und Konzerte, die nach der Pandemie erstmals wieder im bekannten Umfang stattfinden können.

 

Gäste sparen und weichen auf günstigere Angebote aus

Allerdings: Das Konsumverhalten habe sich geändert; bestätigen viele Branchen – auch im Urlaub. Gespart werde bisher vorwiegend an den hochpreisigen Angeboten. „Menschen bereiten sich jetzt schon auf den teuren und wirtschaftlich unsicheren Winter vor und verzichten dann oftmals auf das Ausgehen und das Essen im Restaurant. Einige kaufen sich ihre Verpflegung auch im Supermarkt“, so Lopatta.

 

Das 9-Euro-Ticket hatte nach Erfahrungen der Anbieter von Freizeiteinrichtungen in diesen Bereichen keine spürbaren Auswirkungen.

Veranstalter der großen Events hingegen sehen die günstige Anreise durchaus als zusätzlichen Anreiz, sich einen Konzertbesuch zu gönnen. Deutlich angezogen hat die Nachfrage nach vergünstigten Angeboten. Beispielsweise nutzten viele Inhaber von Meine Card Plus, dem Freizeit-all-Inklusive-Angebot der GrimmHeimat Nordhessen, das integrierte Angebot der Ettelsberg Seilbahn. Gestiegen sei auch die Zahl der verkauften Familientickets Im Bikepark.

 

Der Tourismusdirektor führt die wachsende Nachfrage nach Familienangeboten auf die verstärkten Marketing-Tätigkeiten um diese Zielgruppe zurück. Durch einen ganzen Maßnahmenplan habe die Tourist Information Willingen die Entwicklung vorangetrieben. Im Bereich der Social-Media-Aktivitäten lag der Focus in diesem Sommer noch stärker auf den Familien. Deutlich gestiegen ist das Interesse an Gratis-Angeboten wie dem Mitmachzirkus und die Familienwanderungen. Sparangebote wie der Familienpass und Familiensommer werden gern angenommen. Familienangebote, Wandern und Mountainbiken wurden und werden durch Onlinemarketing-Kampagnen noch bekannter gemacht. Hinzu kommen crossmediale Anzeigen in ebendiesen Bereichen.

 

Die Outdoorangebote profitierten klar vom guten Sommerwetter.

 

Während im Vorjahr die zweite Sommerhälfte recht regenreich war, nutzten die Gäste den durchgehend warmen und trockenen Sommer gern zum Wandern und Radfahren.

In guten Jahren tätigen die Willingen-Gäste mehr als eine Million Übernachtungen. Dies war in den Jahren 2016 bis 2019 der Fall. Wie weit die Region bis zum Jahresende an diesen Wert herankommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Die Entwicklung der Pandemie, die Inflation und die sprunghaft gestiegenen Energiekosten werden auch die nächsten Monate das Konsumverhalten der Menschen prägen. Neben den Unsicherheiten, die im Herbst und Winter auf die Urlauber zukommen, sehen die Touristiker in Willingen auch erhebliche Chancen. Kurze Anfahrtswege, deutlich steigende Preise bei den Pauschalreisen ins Ausland und extrem hohe Preisanstiege im Energiebereich machen den „Urlaub um die Ecke“ wieder attraktiver. Darauf stellt sich der Tourismus ein. Dennoch sind viele Unternehmer zuversichtlich: „Es braucht eine Zeit, bis sich die Nachfrage erholt. Spätestens 2024 rechne ich wieder mit Normalisierung“, schätzt Arndt Brüne, Betreiber der Graf Stolberg Hütte die Lage ein.

 

Gute Projekte für eine erfolgreiche Zukunft

 

Nach optimistischer Stimmung und nach Gründen, positiv in die Zukunft zu schauen, muss man in Willingen nicht lange suchen. Wenn alles nach Plan läuft, wird im Spätherbst und frühen Winter der Skywalk eröffnet. Für vier Millionen Euro entsteht eine Hängebrücke über beeindruckenden 665 Meter von der international bekannten Mühlenkopfschanze über das Strycktal hinweg bis zum Musenberg. Am Ritzhagen plant die Familie Rummel 2023 in weitere attraktive Freizeitanlagen zu investieren. Die Sechser-Sesselbahn soll dann auch im Sommer in Betrieb gehen. Entstehen sollen eine Mountaincart-Bahn und ein Familien-Erlebnisweg. Das neue Lagunen-Erlebnisbad soll im Winter 2023 fertig sein.

Ein Erfolgsmodell ist bereits der Trekkingpark Sauerland. Er bietet ein schönes Mikroabenteuer, das den Willingen-Urlaub aufwertet. Gäste buchen ein paar Übernachtungen im Hotel. Eine Nacht im Wald ist dann das „Sahnehäubchen“.

 

Quelle: Susanne Schulten, Tourist-Information Willingen, Am Hagen 10, 34508 Willingen (Upland)

 

 

Bericht : brilon-totallokal.de - Ihr Nachrichtenmagazin aus Brilon

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