Vom Sanierungsstau zum Bildungsschub: Strategien aus der Schulbaukrise

Vom Sanierungsstau zum Bildungsschub: Strategien aus der Schulbaukrise

Deutschlands Schulinfrastruktur steht am Limit. Der Bau- und Sanierungsbedarf ist immens, die Haushaltskassen der Länder und Kommunen vielerorts leer. Die gute Nachricht: Es gibt konkrete Ansätze und Lösungen, wie die dringend benötigten Maßnahmen jetzt angegangen werden können. Ein wichtiger Hebel zur Finanzierung stellt dabei das am 18.03.2025 beschlossene Sondervermögen der Bundesregierung dar. Um die Sanierungen zu beschleunigen, setzt Bayern bei Pilotprojekten bereits auf den Gebäudetyp E. Städte wie Köln zeigen zudem, wie sich der Sanierungsstau durch Multiprojektmanagement und strategisches Liegenschaftsmanagement systematisch und effizient bewältigen lässt. Bei den langfristig angelegten Maßnahmen unterstützt das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE die Städte und Kommunen.

Der Putz rieselt von den Wänden, durch undichte Fenster pfeift der Wind, der Wasserhahn tropft und die Räume sind schon lange viel zu klein

Nach aktuellen Schätzungen der staatlichen Förderbank KfW beläuft sich der Sanierungsstau an deutschen Schulen auf rund 55 Milliarden Euro. So viel sei nötig, um die maroden Gebäude wieder in einen funktionalen und sicheren Zustand zu versetzen[i]. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen kontinuierlich. Laut Prognosen der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler bis zum Jahr 2035 bundesweit um rund 758.000 auf insgesamt 11,8 Millionen anwachsen[ii]. Hinzu kommen neue Anforderungen wie der flächendeckende Ausbau von Ganztagsangeboten an Grundschulen ab August 2026 und die stetig wachsenden Städte und Ballungsräume[iii].

Mehr als nur Risse in der Wand

„Der bauliche Zustand vieler Schulen ist eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit sowie das gute Lernen und Lehren der Schüler- und Lehrerschaft“, sagt Thomas Köhler, Spezialist für Bildungsbauten bei Drees & Sommer. „Wer sich in einem Raum nicht wohlfühlt, der kann sich schlechter konzentrieren und sich weniger gut entfalten.“ Damit Schulen diese Probleme beheben können, oder sie beim Neubau gar nicht erst entstehen, unterstützt Köhler Städte und Kommunen mit umfassenden Beratungsleistungen. Er hat bereits verschiedenste Schulprojekte im gesamten Bundesgebiet begleitet und bringt dabei technisches Know-how, pädagogisches Verständnis und strategische Planung zusammen.

Köhler kennt auch die Herausforderungen, vor denen viele Kommunen aktuell stehen: Zwar liege die Zuständigkeit für das Schulwesen formal bei den Ländern, doch die Verantwortung für die Schulgebäude tragen in der Regel die Städte und Gemeinden. „Dort fehlt es oft am Personal, Bürokratie erschwert schnelles Bauen zusätzlich und die finanziellen Mittel sind knapp bemessen“, sagt der Experte. Abhilfe könnte hier das im März 2025 beschlossene und am zweiten Oktober im Bundesgesetzblatt veröffentlichte, 500 Milliarden Euro schwere, Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität der Bundesregierung schaffen. Knapp 100 Milliarden Euro sollen davon in die Länder und Kommunen fließen[iv]. Wie viel tatsächlich für die Sanierung und den Ausbau von Schulen zugutekommt, ist noch offen. Aber: „Es besteht jetzt die Chance, dringend benötigte Mittel schnell und unbürokratisch bereitzustellen“, meint Köhler.

Sanierungsfall Babyboomer-Schulen

Doch selbst wenn finanzielle Mittel verfügbar sind, bleibt die Umsetzung der Neubau- und Sanierungsfälle komplex. Denn vielerorts stehen Kommunen nicht nur vor organisatorischen, sondern auch vor baulichen Herausforderungen. Hier setzt die Arbeit von Thomas Köhler und seinen Kolleg:innen von Drees & Sommer an: Sie beraten und begleiten bundesweit Städte und Gemeinden, wie die Domstadt Köln, bei der großflächigen Sanierung und dem Ausbau von Schulen. Obwohl der Bedarf deutschlandweit hoch ist, gibt es darunter jene, um die es besonders schlecht steht. „Gebäude, die zwischen den 1950er und 1970er Jahren errichtet wurden, entstanden unter dem Druck, schnell und kostengünstig Raum zu schaffen. Der Fokus lag auf der schieren Anzahl der Räume und funktionaler Einfachheit, kurzum: Auf Quantität statt Qualität“, so der Experte. Typisch für diese Zeit seien beispielsweise Stahlbeton-Skelettbauten mit Waschbetonfassaden und einfachen Aluminiumfenstern, die zwar effizient gebaut wurden, heute aber als trist und energetisch problematisch gelten. „Mittlerweile sieht man die Folgen, die von Schadstoffen in den Materialien über mangelhafte Wärmedämmung und einfache Aluminiumverglasung bis hin zu veralteten Heiz- und Lüftungssystemen reichen“, so Köhler.

Auch bei der Barrierefreiheit besteht großer Nachholbedarf:

„Viele Gebäude sind für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen kaum zugänglich. Zwar existieren Förderprogramme für barrierefreie Umgestaltungen, doch angesichts des umfassenden Sanierungsstaus reichen diese bei Weitem nicht aus“, so Köhler[v]. Wenn er von Sanierungen der Babyboomer-Schulen spricht, dann meint der Schulbau-Experte meist eine grundlegende Erneuerung. „Ein frischer Anstrich oder eine neue Fassade reichen nicht“, sagt er. „Wer nachhaltig sanieren will, muss tief in die Bausubstanz eingreifen.“ Denn energetische Maßnahmen allein können Schadstoffe wie Asbest, PCB oder Schimmel nicht beheben. Neben den baulichen Mängeln klagen Lehrkräfte und Schulleitungen außerdem zunehmend über räumliche Missstände: Zu kleine Klassenzimmer, fehlende Differenzierungsräume und unzureichende Flächen für moderne, teamorientierte Lernkonzepte erschweren den Schulalltag. Die alten Schulgebäude sind häufig noch auf Halbtagsschulbetrieb ausgelegt, während die Schulen heute vielfach Ganztagsangebote und individuelle Förderungen anbieten müssen. Der bisher im Schulbau verwendete Planungswert von zwei Quadratmetern pro Schülerin oder Schüler sei angesichts neuer pädagogischer und organisatorischer Anforderungen schlicht zu gering[vi].

Schulbau wird zur Kostenfalle: Innovative Finanzierungsmodelle für Kommunen

Pro saniertem Schulplatz müssen Kommunen aktuell mit rund 34.000 bis hin zu über 77.000 Euro rechnen. Für den Neubau von Schulen liegen die Kosten pro Quadratmeter genehmigter Hauptnutzfläche je nach Schultyp etwa zwischen 4.800 und über 6.400 Euro. Für eine neue Grundschule werden im Durchschnitt rund 30 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt, bei steigender Tendenz wegen hoher Baukosten und Preisexplosionen. Die Preise variieren dabei zwischen der Größe von Städten, in denen die Schule liegt. Neubaukosten in größeren Städten wie Hamburg oder Berlin sind in den letzten Jahren von circa 3.300 Euro pro Quadratmeter auf über 4.000 Euro gestiegen[viii] [ix].

Da die Kommunen die Kosten längst nicht mehr alleine stemmen können, rücken alternative Finanzierungs- und Fördermittelmodelle zunehmend in den Fokus. Um im Bürokratiedschungel den Überblick zu behalten, wo und wie es welche Fördermittel gibt, berät Drees & Sommer die Kommunen dabei. Dabei geht es nicht nur um die Identifikation passender Förderprogramme, sondern auch um die strategische Planung und die konkrete Antragstellung.

Neben klassischen Fördermitteln setzen einige Kommunen auf private Investoren und Public-Private-Partnership-Modelle, um die Sanierung und den Neubau von Schulen zu finanzieren. Private Kapitalgeber bringen dabei frische Mittel in Bildungsimmobilien ein, die dann von den Kommunen langfristig angemietet werden. „Das öffnet neue Finanzierungsspielräume für überforderte Kommunalhaushalte, da die Investitionskosten über Mietverträge gestreckt werden können“, sagt Köhler. Der Trend zu solchen alternativen Finanzierungsformen wird durch steigendes Investoreninteresse und das Bedürfnis nach nachhaltiger, klimaneutraler Bauweise zusätzlich befeuert. Die Drees & Sommer-Tochter Real Blue KVG unterstützt die Kommunen darin, geeignete Finanzierungsstrukturen zu entwickeln, die Förderprogramme effizient in solche Modelle integrieren und so möglichst viele öffentliche Zuschüsse mit privatem Kapital kombinieren.

Mehr als Lippenbekenntnisse

Damit solche Vorhaben wie aktuell in Bayern oder Köln nicht nur auf dem Papier bestehen, braucht es mehr als gute Ideen. „Es braucht politischen Rückhalt und ein ausreichend ausgestattetes Budget, das gezielt statt tröpfchenweise eingesetzt wird“, fordert Thomas Köhler von Drees & Sommer. „Nur wenn Bund, Länder und Kommunen gemeinsam Verantwortung übernehmen und klare Prioritäten setzen, lassen sich die Herausforderungen im Bildungsbau nachhaltig bewältigen. Ein echter Wandel kann nur dann gelingen, wenn zukünftig alle – vom Staat bis hin zur Privatwirtschaft – an einem Strang ziehen, sei es bei der Finanzierung, der Entwicklung innovativer Lösungen und auch beim Hinterfragen bestehender Standards. Nur so können komplexe Großprojekte schneller, kosteneffizienter und qualitativ hochwertiger umgesetzt werden. Wollen wir als Wirtschaftsstandort aufholen, müssen wir solche Partnerschaften nicht nur zulassen, sondern aktiv fördern. Der Staat muss nicht alles selbst bauen. Aber er muss sicherstellen, dass gebaut wird. Unsere Kinder, die künftigen Generationen, haben ein Recht darauf.“

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Quelle: Presse,  Drees & Sommer SE / Auszug
Original-Content von: Drees & Sommer SE, übermittelt durch news aktuell

Bildunterschrift: Innovative Konzepte wie Multiprojektmanagement bei 22 Schulen in Köln oder der Gebäudetyp E in Bayern zeigen, wie der Weg aus dem Sanierungsstau gelingen kann.

Bildrechte: ©Getty Images – Dusan Stankovic
Fotograf: Drees & Sommer SE

 

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