Fachvortrag von Klinikexperten aus Marsberg: Wenn das Smartphone zur Sucht wird. Fachvortrag von Klinikexperten leitet Aktionswochen „Familie & Psyche 2026“ ein
Das Smartphone ist allgegenwärtig – ob bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Der Blick auf das Smartphone reißt uns aus dem Alltag. Was tun, wenn wir oder die Kinder die Kontrolle über unseren Medienkonsum verlieren? Privatdozent Dr. Robert Waltereit, Chefarzt am LWL-Klinikum Marsberg, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, warnt davor, dass es durch das Smartphone zu Verhaltenssüchten kommen kann, und mahnt zu einem bewussteren Umgang mit Medien.
Waltereit führt zwei anschauliche Beispiele aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie an:
Der 16-jährige Mika flüchtet sich vor der Realität in seine Lieblingsserien. Er streamt sie direkt von einem großen Online-Anbieter. Die Serien werden seine Welt. Freund:innen und Schule vernachlässigt er mehr und mehr. Eine Lehrerin rät zum Besuch einer Beratungsstelle.
Max, 14 Jahre alt, gerät in den Sog eines Videospiels. Das Zocken hilft ihm beim Abbau von Stress und Wut. Fußball und Tischtennis geraten in Vergessenheit. Die vernetzte Online-Spielergemeinschaft ersetzt seine Freund:innen in der realen Welt.
Waltereit dazu: „Beide Beispiele stehen stellvertretend für Verhaltenssüchte. Serien, Spiele oder Social Media aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn. Es greifen ähnliche Mechanismen wie bei einer Alkohol- oder Drogensucht.“ Die Ausschüttung von Dopamin erzeuge erst ein gutes Gefühl. „Bei einer Sucht verlangt das Gehirn immer mehr Stimulation, um denselben Effekt zu erzielen“, so Waltereit. „Gleichzeitig kann es zu Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit, innere Unruhe, Angstzustände und Schlafstörungen kommen.“
Der Experte aus dem Klinikum Marsberg des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sieht nicht nur die Eltern, sondern auch die Politik in der Pflicht. „Sucht fördernde Verstärkungsmuster in Spielen müssen gesetzlich eingeschränkt werden. Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Medien müssen in Bezug auf selbst- oder fremdschädigende Verhaltensweisen besser geschützt werden“, fordert Waltereit. Als Eltern sei es wichtig, Kinder und Jugendliche in ihrem Medienkonsum verantwortungsvoll zu begleiten. „Das beste Vorbild, übrigens nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für andere Erwachsene bin ich selber. Wenn wir alle bewusster mit Smartphone & Co umgehen, haben wir auch in Bezug auf das eigene Suchtrisiko viel erreicht“, lautet die zentrale Botschaft des LWL-Experten.
Hintergrund
Das überregionale Netzwerk FaPsy (Familienhilfe & Psychiatrie) hat sich fachübergreifend zusammengeschlossen, um frühzeitig Familien mit psychischen Belastungsfaktoren passgenau zu unterstützen. Gemeinsam mit Dr. Rüdiger Holzbach, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Alexianer Klinikum Arnsberg, hat Privatdozent Dr. Robert Waltereit, Chefarzt am LWL-Klinikum Marsberg, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, einen Fachvortrag zum Thema „Medien-Sucht aus Sicht der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie“ als Start der Aktionswochen „Familie & Psyche 2026“ gehalten.
Die Aktionswochen werden diesmal zum Schwerpunkt Medien gestaltet. Medien beeinflussen Kommunikation, Erziehung und psychisches Erleben in Familien. Für Fachkräfte aus Familienhilfe und Psychiatrie ergeben sich daraus neue Herausforderungen, aber auch Chancen und Kooperationsbedarfe.
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Quelle: Julia Bütow, LWL-Klinikum Marsberg, Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle
Fotocredit: Symbolbild / Ki generiert /Firefly, Gemini Flash, Smartphone zur Sucht / 70909 / Brisystem Ki







