Für Gastro-Profis im Hochsauerlandkreis soll nicht einmal ein trockenes Brötchen mehr rausspringen … 6.770 Gastro-Beschäftigte warten auf 3. Tarifrunde
Schlechte Stimmung in den Gaststätten und Hotels im Hochsauerlandkreis: „Es gibt massiven Streit um den Lohn in der Gastro-Branche. Und davon sind im Hochsauerlandkreis immerhin rund 6.770 Beschäftigte betroffen“, sagt Isabell Mura von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Wer in der Küche, an der Theke, im Service oder an der Hotelrezeption arbeite, dem drohe künftig „ein dünneres Portemonnaie als heute“. Grund sei ein „maximales Geiz-Angebot“ der Arbeitgeber bei der laufenden Tarifrunde. So sei der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Nordrhein-Westfalen (Dehoga NRW) nicht einmal bereit, die Inflation auszugleichen: „Ein Koch oder eine Restaurantleiterin im Hochsauerlandkreis soll lediglich 1,9 Prozent mehr bekommen. Wenn man das auf den Stundenlohn umrechnet, dann sind das nicht einmal 31 Cent – also weniger, als ein trockenes Brötchen kostet“, sagt Isabell Mura von der NGG Südwestfalen.
Noch härter soll es nach Angaben der Gewerkschaft Beschäftigte treffen, die keine Ausbildung in der Gastronomie haben:
„Küchenhilfen zum Beispiel wollen die Arbeitgeber künftig nur noch mit dem gesetzlichen Mindestlohn abspeisen. Ich bin gespannt, wer sich dann im Hochsauerlandkreis noch in die Küche stellt und Zwiebeln schält oder den Geschirrspüler ausräumt. Da locken Dutzende Jobs, die besser bezahlt werden und bei denen man nicht abends um 21 Uhr noch arbeiten muss“, so Isabell Mura. Die Geschäftsführerin der NGG Südwestfalen kritisiert zudem den Umgang mit den Auszubildenden im Gastgewerbe: „Azubis sollen völlig leer ausgehen. Wer die Nachwuchsprobleme der Branche kennt, kann da nur mit dem Kopf schütteln.“
Die Gastro-Gewerkschaft hält dagegen an ihrer Forderung fest:
Die NGG will ein Lohn-Plus von 6 Prozent für alle Gastro-Beschäftigten – egal, ob sie in der Küche oder im Service arbeiten. Für die Auszubildenden der Branche soll es zusätzlich zu den 6 Prozent noch ein Fahrgeld geben: „Und zwar exakt so viel, wie ein Deutschland-Ticket kostet. Wer sich als Jugendlicher für den Berufseinstieg in die Gastronomie entscheidet, würde damit eine Ausbildung inklusive Mobilität mit den Öffis bekommen“, so Isabell Mura.
Immerhin profitierten die Arbeitgeber bereits seit Anfang des Jahres enorm von der Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent: „12 Prozentpunkte weniger Steuern – das ist viel. Davon haben die Gäste im Hochsauerlandkreis in den allermeisten Fällen aber nichts gemerkt. Und auch bei den Beschäftigten ist davon bislang nichts angekommen. Und genau das muss sich jetzt ändern“, fordert Mura.
Die Gastro-Gewerkschaft warnt: „Wenn der Dehoga NRW jetzt nicht in letzter Minute noch die Kurve kriegt, dann laufen den Gaststätten, Restaurants und Hotels im Hochsauerlandkreis in den kommenden Monaten die Leute weg. Und die kommen dann – wie schon nach der Corona-Pandemie – auch nicht mehr zurück“, so Isabell Mura.
Die Geschäftsführerin der NGG Südwestfalen übt dabei heftige Kritik am Dehoga: „Die Inflation steigt weiter. Im August war das Leben 2,9 Prozent teurer. Unterm Strich bedeutet das Angebot, das die Arbeitgeber bislang auf den Tisch gelegt haben, dass der reale Lohn sinkt und Kaufkraft für die Gastro-Beschäftigten verlorengeht. Köche und Kellnerinnen würden sich künftig also weniger von ihrem Lohn leisten können. Genau da werden wir jetzt aber einen Riegel vorschieben.“ Zur dritten und damit entscheidenden Verhandlungsrunde kommen NGG und Dehoga NRW am Freitag 11. September zusammen.
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- Quelle: Isabell Mura, Geschäftsführerin, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)
- Fotocredit: NGG | Tobias Seifert



