Caritas Brilon lädt zum Bürgermeister-Gespräch: Geplante Sozialreformen bedrohen Versorgungssicherheit im ländlichen Raum
Altkreis Brilon. Die angekündigten Reformen und Sparmaßnahmen des Bundes in den Bereichen Soziales, Gesundheit und Pflege bereiten dem Caritasverband Brilon große Sorgen. Aus diesem Anlass waren jetzt die Bürgermeister und Vertreter aus allen Städten im Altkreis Brilon der Gesprächseinladung der Caritas gefolgt. Im Fokus der sorgsamen Aufmerksamkeit standen die möglichen gleichsam konkreten Auswirkungen der Reformen auf die Menschen aller Altersstufen im Altkreis Brilon.
An dem Austausch teilgenommen haben die Bürgermeister Dr. Christof Bartsch (Stadt Brilon), Enrico Eppner (Stadt Hallenberg), Matthias Koch (Stadt Marsberg) und Patrick Potthoff (Stadt Olsberg) sowie die allgemeinen Vertreter Martin Wasmuth (Stadt Medebach) und Bastian Östreich (Stadt Winterberg). Für die Caritas waren Vorstand Heinz-Georg Eirund sowie die Geschäftsführer Ulrich Fliege-Sölken (Pflege und Gesundheit), Thomas Schneider (Beratung, Erziehung und Teilhabe) und Engelbert Kraft (Teilhabe, Arbeit und Bildung) vertreten, um aus Expertensicht die zu erwartenden Auswirkungen durch die geplanten Reformen im Gesundheits- und Pflegesektor, in der Eingliederungshilfe sowie bei Angeboten der sozialen Unterstützung und Beratung darzustellen.
„Was auf Bundesebene als Einsparung erscheint, hat vor Ort ganz konkrete Auswirkungen auf die Menschen“, betonte Heinz-Georg Eirund.
„Es geht nicht um abstrakte Zahlen, sondern um Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderung, Familien, Angehörige und all jene, die auf Unterstützung angewiesen sind.“ Das sind nicht wenige Menschen: Allein 5.000 Menschen erfahren durch die Angebote der Caritas Brilon tagtäglich Beratung, Pflege und Unterstützung im Leben.
Besonders kritisch sehen die Verantwortlichen die Tatsache, dass viele Reformvorhaben vor allem auf kurzfristige Entlastungen der öffentlichen Haushalte abzielen. Die langfristigen sozialen und wirtschaftlichen Folgen würden dabei zu wenig berücksichtigt. Schon heute kämpfen soziale und pflegerische Einrichtungen mit nicht auskömmlicher Refinanzierung Fachkräftemangel, zunehmender Bürokratie und einem hohen wirtschaftlichen Druck. Weitere Kürzungen könnten diese Entwicklung deutlich verschärfen.
Gleichzeitig machte die Caritas deutlich, dass die Verantwortung nicht allein bei den Trägern sozialer Dienste liegt. „Wir stehen am Ende der Kette und müssen den Menschen erklären, warum Leistungen teurer werden oder es sie gar nicht mehr geben wird“, sagte Vorstand Eirund. Eine Rolle, die den Entscheidungsträgern in den Rathäusern ebenfalls immer vertrauter wird. Statt Zukunft durch neue Projekte zu gestalten, müsste leider zu oft der Mangel verwaltet werden. Auch die Vertreter der Städte erleben die Folgen gesellschaftlicher Veränderungen und politischer Entscheidungen unmittelbar vor Ort. Häufig fehlen den Kommunen jedoch die finanziellen und rechtlichen Handlungsspielräume, um entstehende Lücken eigenständig zu schließen.
Die Teilnehmer der Gesprächsrunde waren sich einig, dass eine leistungsfähige soziale Infrastruktur ein wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge und des gesellschaftlichen Zusammenhalts ist. „Allerdings werden wir die Krise nicht durch ein noch mehr und noch schneller durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auffangen können. Zukünftig wird es dann bildlich gesprochen nur noch Kleinwagen geben und nicht mehr die Limousine“, bilanzierte Eirund nüchtern. Der Caritasverband Brilon wird sich weiterhin gemeinsam mit den Kommunen dafür einsetzen, dass notwendige Reformen nicht zu Lasten der Menschen gehen, die auf Pflege, Beratung, Unterstützung und Teilhabe angewiesen sind.
„Wer heute bei Pflege, Teilhabe und sozialen Hilfen spart, zahlt morgen einen deutlich höheren Preis. Die Herausforderungen lassen sich nicht allein von Wohlfahrtsverbänden oder Kommunen lösen. Bund, Länder, Kommunen und soziale Träger tragen gemeinsam Verantwortung dafür, dass auch künftig Menschen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen“, war das Fazit der Gesprächsrunde. Darüber hinaus vereinbarten die Akteure der Caritas Brilon und der Kommunen, sich jährlich in diesem Format zum Thema der Sozialreformen zu treffen.
Infokästen:
Mögliche Folgen im Bereich Pflege und Gesundheit
- Weniger Unterstützung für ältere und pflegebedürftige Menschen im häuslichen Umfeld.
- Stärkere Belastung pflegender Angehöriger, vor allem der Frauen.
- Einschränkungen bei Entlastungsangeboten, Alltagsbegleitung und Unterstützungsleistungen für alte und kranke Menschen.
- Gefährdung der Versorgungssicherheit insbesondere in ländlichen Regionen.
- Weitere Verschärfung des Fachkräftemangels in der Pflege sollte die Tariftreue aufgekündigt und nicht finanziert werden.
Mögliche Folgen im Bereich Beratung, Erziehung und Teilhabe
- Weniger Beratungsangebote für Familien und Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
- Längere Wartezeiten auf Hilfen und Unterstützungsangebote.
- Einschränkungen bei Angeboten zur sozialen Teilhabe.
- Schwächung von Integrations- und Migrationsangeboten.
- Gefahr wachsender sozialer Isolation und Ausgrenzung.
Mögliche Folgen im Bereich Teilhabe, Arbeit und Bildung
- Weniger individuelle Förderung für Menschen mit Behinderung.
- Zunehmender Bürokratieaufwand statt direkter Unterstützung der Betroffenen.
- Mehr Kostendruck auf Werkstätten und Teilhabeangebote.
- Gefährdung wohnortnaher Unterstützungsstrukturen im ländlichen Raum.
- Weniger Chancen auf gesellschaftliche und berufliche Teilhabe.
Bild: Die Zukunft der sozialen Versorgung im Blick. Auf Einladung der Caritas Brilon sprachen (v. l.) Matthias Koch (Bürgermeister Stadt Marsberg), Enrico Eppner (Bürgermeister Stadt Hallenberg), Bastian Östreich (allg. Vertreter Bürgermeister Stadt Winterberg), Ulrich Fliege-Sölken (Geschäftsführer Pflege und Gesundheit Caritas Brilon), Heinz-Georg Eirund (Vorstand Caritas Brilon), Martin Wasmuth (allg. Vertreter Bürgermeister Stadt Medebach), Patrick Potthoff (Bürgermeister Stadt Olsberg), Dr. Christof Bartsch (Bürgermeister Brilon), Engelbert Kraft (Geschäftsführer Teilhabe, Arbeit und Bildung Caritas Brilon) und Thomas Schneider (Geschäftsführer Beratung, Erziehung und Teilhabe Caritas Brilon) über die Auswirkungen der geplanten Sozialreformen für die Menschen im Altkreis Brilon.
_________________________
- Quelle: Sandra Wamers, Interne | Externe Kommunikation, Marketing, Caritasverband Brilon e.V.
- Foto: Caritas Brilon / Sandra Wamers



