Vom Durchschlag zum Museumsstollen: 100 Jahre Eickhoffstollen in Ramsbeck

Vom Durchschlag zum Museumsstollen: 100 Jahre Eickhoffstollen in Ramsbeck

Ramsbeck. Ein winziges Loch, ein schwacher Lichtschein und dann Jubel: Am 28. Oktober 1926 gelang im Ramsbecker Bergbau ein ingenieurtechnisches Meisterstück: der Durchschlag des Eickhoffstollens. Aus zwei Richtungen hatten Bergleute den Stollen vorangetrieben. Schließlich trafen sich beide Enden im Berg. Noch heute fahren die Gäste des Sauerländer Besucherbergwerks durch den Eickhoffstollen in den Dörnberg ein.

Eine Grube im Wandel

Das Großprojekt „Eickhoffstollen“ fiel in eine Zeit des Umbruchs. Der Erste Weltkrieg hatte den Bergbau bei Ramsbeck schwer getroffen: Aufgrund von Sprengstoffmangel waren die Förderzahlen stark zurückgegangen. Viele Bergleute waren gefallen oder nicht zurückgekehrt, die Belegschaft 1920 auf einem Tiefstand. Von Oktober 1923 bis März 1924 wurde die Grube aufgrund der Inflation sogar vorübergehend stillgelegt.

In der Krise setzte die Eigentümerin der Grube, die Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und Westfalen dennoch konsequent auf Modernisierung: Bohrmaschinen ersetzten die Handarbeit, Lufthaspeln erleichterten den Transport vom Gewinnungsort zu den Förderwagen. Größere Förderwagen wurden angeschafft und gezielt neue Arbeiter angeworben. Mit Erfolg: Die Förderung von Roh-Erz stieg auf mehr als das Doppelte. 1926 hatte die Belegschaft mit über 500 Köpfen wieder den Stand der Vorkriegszeit erreicht.

Ein ambitioniertes Projekt

Das größte Projekt zur Effizienzsteigerung war jedoch der geplante Eickhoffstollen. Ab 1923, mitten in der Krise aufgefahren, sollte er die Gruben Dörnberg und Aurora  verbinden und damit die Transportwege verkürzen. Anfallendes Grubenwasser sollte er nach über Tage ableiten. Um den Bau zu beschleunigen, trieb man einen Teil des Stollens von Ramsbeck aus in den Berg, den anderen von der Grube Aurora aus darauf zu. Zuständig für die Berechnungen war der Markscheider August Muhs, gerade einmal 22 Jahre alt.

Die Stunde der Wahrheit

Kurz vor dem Durchschlag wuchs die Skepsis, berichtet Muhs‘ Tochter: Der aus Aachen angereiste Generaldirektor der Aktiengesellschaft verkündete, die Schläge kämen aus der falschen Richtung. Kurz darauf die Erleichterung: Ein Loch erschien in der Ortsbrust – erst klein, dann immer größer, dann wanderte eine Flasche Schnaps hindurch. Der Durchschlag war geglückt, August Muhs‘ Berechnungen stimmten fast auf den Zentimeter genau. An der Durchschlagsstelle brachte der junge Markscheider eine Messingtafel an, die jedoch 1947 entwendet wurde. Benannt wurde der Eickhoffstollen nach dem im Krieg gefallenen Ramsbecker Bergwerksdirektor und Bergassessor Dr. Adalbert Eickhoff.

Vom Förderstollen zum Touristenmagneten

1955 wurde am Stollen eine neue Waschkaue errichtet, das heutige Bergbaumuseum. Ab diesem Zeitpunkt war der Eickhoffstollen der zentrale Einfahrtsstollen. Als der Bergbau am 31. Januar 1974 aus wirtschaftlichen Gründen endgültig eingestellt wurde, maß der Stollen rund fünf Kilometer Länge.

Nur sieben Monate später, am 27. August 1974, öffnete der Stollen erneut – zur Einfahrt ins Schaubergwerk. Noch immer rumpelt die originale Grubenbahn aus den 1950er Jahren regelmäßig rund 1,5 Kilometer durch den Eickhoffstollen ins Bergwerk. Mehr als 3,5 Millionen Gäste waren schon als Passagiere an Bord. Die Einfahrt durch den Eickhoffstollen ist bis heute das Highlight jedes Besuchs und soll es auch in Zukunft bleiben.

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  • Quelle: Jörg Fröhling, Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Bestwig
  • Foto: Stolz vor dem Stollen: Alle Beteiligten posieren samt der Kutsche des Direktors für das Erinnerungsfoto. A
  • Fotocredit:  Archiv Elfriede Krauth

 

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